Die Klasse 8 des Gymnasiums Steinfeld erlebt hautnah, wie mit Pferden im Schutzgebiet sensibel mit Flora und Fauna umgegangen wird

Das Holzrücken mit Pferden, Unterricht in der Natur, gelebter Umweltschutz – das alles kann man verbinden.
An einem recht heißen Freitagvormittag machte sich die Klasse 8a des Hermann-Josef-Kolleg mit ihrer Klassenlehrerin, Frau Worms sowie Frau Leinders und der Referendarin Frau Wings auf den Weg zum Wackerberg. Der Wackerberg gehört zu Kall, liegt an der Grenze zu Schleiden-Gemünd und ist zum großen Teil Landschaftsschutzgebiet. Ein kleiner, besonders schützenswerter Teil des Waldes ist in Privatbesitz. Dort wurden in einem Feuchtbiotop mehrere Birken gefällt, die nun auf schonende Weise zum Abtransport auf den nahen Forstweg gezogen werden sollten. Für diese Arbeit beauftragte der Waldbesitzer, Herr Manfred Kanzler, den Holzrücker Dirk Zöll aus Blumenthal mit seinen beiden Kaltblütern Wotan und Irco (siehe hierzu auch GLANZPUNKT-Eifel, Ausgabe Nov.-Dez. 2014). Da auch der Revierförster Markus Wunsch und sein Kollege Michael Holzwarth begleitend vor Ort waren, lud man Schüler des Hermann-Josef-Kolleg zum „Freiluft-Unterricht“ ein.
„Als Nationalparkschule haben wir ein großes Interesse daran, unseren Schülern den Naturschutz nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vor Ort nahe zu bringen. Dazu ist dieser Vormittag ganz ideal“, erläutert die Lehrerein Frau Worms. „Die heutigen Eindrücke und Erkenntnisse können wir fächerübergreifend in Erdkunde, Politik und Biologie auf- und nachbereiten.“
Doch erst einmal mussten Wotan und Irco arbeiten. Herr Zöll erklärt: „Die Baumstämme habe ich bereits entastet und für den Abtransport vorbereitet. Die beiden Pferde werden jetzt angeschirrt und ziehen die Stämme dann einzeln den Hang hinauf bis zum Weg. Die Pferde sind sehr vorsichtig und zerstören den Waldboden fast gar nicht.“

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Dirk Zöll und seine beiden starken Helfer werden vornehmlich von privaten Waldbesitzern bis nach Aachen beauftragt. Auch im Stadtwald Düren und im Wald um den Ruheforst Hümmel waren sie schon oft aktiv. „Natürlich können wir nicht den kompletten Wald mit Pferden bearbeiten. Wir sind auf unsere modernen Holzerntemaschinen angewiesen, die wesentlich schneller und auch kostengünstiger arbeiten“, informiert Förster Markus Wunsch. „Aber gerade für sensible Biotope, auf kleinen Flächen oder an schwierigen Stellen kommen Pferde besser zum Einsatz.“
Die Schüler beobachten interessiert – schließlich sieht man traditionelle Holzrückearbeit nicht alle Tage – und machen für die starken Kaltblüter schnell den Weg frei. Wotan und Irco machen immer wieder Pausen. Die Schüler erhalten derweil Naturunterricht durch den Förster: „Hier im Wald leben Fledermäuse, vorrangig das Kleine und das Große Mausohr. Im bzw. über dem Feuchtbiotop finden sie einen Großteil ihrer Beuteinsekten. Wir haben nachts den Bestand untersucht und 195 Fledermäuse pro Hektar gezählt. Das ist wahnsinnig viel. Auch der Rotmilan, ein Greifvogel, der auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht, hat hier sein Brutgebiet.“ Die Schüler erfahren noch viel mehr über die Ökologie des Waldes, hören über die Wildkatze, über Hasen, Rot- und Schwarzwild und nehmen Nester der Waldmeise genauer in Augenschein. Zwischendurch gibt es immer wieder Trinkpausen, bevor es mittags zurück zur Schule geht.
Auch für Wotan und Irco ist bald Feierabend. Es ist zu heiß und die Stämme fast alle auf dem Weg aufgereiht.

Text & Fotos: Glanzpunkt Eifel-Mitarbeiterin Regine Grümmer