Triathlon Eupen
Triathlon Eupen

Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch die Baumkronen zum Boden, eine ganz leichte Brise weht den Waldweg entlang, Vögel zwitschern munter, leises Gemurmel in schwirren- der Hitze. Plötzlich wird die Ruhe durchbrochen: „Da kommen sie, da kommen sie!“ Wasserflaschen und nasse Schwämme sind bereit. „Go! Go! Go!“, „Zieh dran!“, lautes Klatschen. Das Wasser rinnt durch durstige Kehlen oder spritzt erfrischend auf schweißüberströmte Gesichter. Wir sind bei der letzten Etappe des Eupener Triathlons.

Als ob Laufen ODER Rad fahren ODER Schwimmen nicht genug wären als sportliche Betätigung. Es gibt eine Spezies Mensch, die offenbar gar nicht genug von Aktivität und Bewegung bekommt: Triathletinnen und Triathleten. Sie trainieren und messen sich einfach in allen drei Sportarten. Das ist gesund, weil für Muskulatur und Gelenke ausgewogen belas- tend, und muss überhaupt nicht extrem sein. Denn: 200 Meter Schwimmen, 5 Kilometer Radfahren, 1.000 Meter Laufen – fertig ist die Laube, bzw. der erste Triathlon. Geben Sie’s ruhig zu: Sie bekommen gerade ein bisschen Lust, mitzulaufen, -radeln, -schwimmen oder wenigstens den SportlerInnen zuzuschauen. Da trifft es sich gut, dass es An- fang August an der Eupener Wesertalsperre die Gelegenheit dazu gibt: Beim Triathlon Eupen messen sich die MehrkämpferInnen in zwei verschiedenen Rennen: Am Samstag, den 5. August, findet um 17 Uhr der Volks- oder Promo-Wettbewerb über 500 Meter Schwimmen, 22 Kilometer Radfahren und 7 Kilometer Laufen statt; am Sonntag, den 6. August, fällt um 10 Uhr der Startschuss für die Mitteldistanz: 1.900 Meter Schwimmen, 87 Kilometer Radfahren, 21 Kilometer Laufen. Puh! Da bilden sich bestimmt schon beim Zuschauen ein paar Schweißperlen auf der Stirn. Spätestens beim Anfeuern.

Eupen Triathlon
Eupen Triathlon

Es geht schließlich auch um die Belgische Meisterschaft. Zum zweiten Mal in Folge setzt der belgische Triathlonverband auf die Kompetenz des Eupener Vereins, der durch eine lückenlose Organisation und einen reibungslosen Ablauf des Wettkampfs das Vertrauen für eine solche Mammutaufgabe gewonnen hat. „Was wir hier mit weniger als 100 Vereinsmitgliedern auf die Beine stellen, schaffen andere nicht mit 1.000“, sagt Ralph Thoma, Repräsentant des Triathlon Eupen, zu Recht mit Stolz. Ohne die insgesamt über 250 freiwilligen Helfer wäre das Event – von der Anmeldung über die Pasta-Party am Vorabend und Versorgung an der Strecke bis zur Siegerehrung – nicht möglich. Und Ostbelgien wäre um ein sportliches, aber auch touristisches Highlight ärmer. Die Betten in der Region sind am ersten August-Wochenende immer schnell ausgebucht.

Schon zum 33. Mal findet der Eupen Triathlon an der wunderbar gelegenen Wesertalsperre statt. Es ist ein fantastisches Bild, wenn sich die Sportlerinnen und Sportler wie hunderte Piranhas durch das Wasser der größten Talsperre Belgiens pflü- gen. Die Radstrecke führt durch den Hertogenwald, Ostbelgiens grüner Lunge, entlang des Hohen Venns. Die Laufstrecke macht einen weiteren Schlenker in den etwa 20.000 Hektar großen Hochwald mit seinem Artenreichtum an Pflanzen und Tieren. Landschaftliche Abwechslung ist in diesem Stückchen Paradies garantiert.

Das ist es auch, was Valérie Keutgen, Mitglied des Triathlon Team Eupen, an der Veranstaltung besonders hervorhebt: „Landschaftlich sind die Strecken einfach toll. Abgesehen davon ist der Eupener Triathlon einer der bestorganisierten in ganz Belgien.“ Die 31-Jährige weiß, wovon sie spricht. Seit 2008 ist sie aktive Triathletin und schätzt die große Abwechslung im Training. Nur laufen, nur schwimmen, nur Rad fah-ren, das kann ja auch schon mal langweilig werden. „Und dann üben wir das (fast) alles auch noch in der Natur aus. Genial!“

Eupener Triathlon
Eupener Triathlon

Zweimal schon hat der 24-jährige Francis Rauw den Triathlon Eupen als Läufer im Staffelwettbewerb gewonnen. Für ein Staffelteam finden sich je ein Schwimm-, Rad- und Laufspezialist zusammen. Arbeitsteilung je nach Lieblingsdisziplin – das ist praktisch und oft der Einstieg in den Triathlonsport. „Die Zuschauer an der Staumauer zu erleben, das ist Gänsehaut pur“, erzählt er begeistert von der Atmosphäre in Eupen. „An der Strecke kann man sich zudem super positionieren, um Läufer oder Radfahrer anzufeuern, die bei der Langdistanz dreimal die gleiche Strecke absolvieren.“ Das bedeutet gleich drei Chancen, seiner Favoritin oder seinem Favoriten einen Motivationsschub mit auf den Weg zu geben.

Auch wenn in Eupen internationale Top-AthletInnen teilnehmen, die den anspruchsvollen Wettkampf als Standortbestimmung für die eigene Leistung nutzen, für andere Teilnehmer geht es nicht um den Sieg. Sie wollen einfach ins Ziel kommen. Und werden ebenso enthusiastisch gefeiert. Das bestätigt Ralph Thoma, selbst leidenschaftlicher Sportler und als Spätberufener erst seit ein paar Jahren Triathlet. „Bei meinem ersten Start in der kurzen Distanz kam ich als Vorletzter aus dem Wasser. Schwimmen war nie meins, höchste Ertrinkungsgefahr! Gefühlt habe ich mich aber als Sieger, so frenetisch war der Beifall, so groß der Zuspruch der Zuschauer.“ Jetzt sorgt er selbst für gute Stimmung bei der Veranstaltung: Gemeinsam mit seinen Kollegen Josef Thaeter und Walter Kubitzki überträgt er als Moderator die außergewöhnliche Atmosphäre ins Publikum. Wichtig sind ihm dabei nicht Startnummern und Bestzeiten, ihm geht es um den Menschen im Sportler – und er hat so einige Dönekes über die TeilnehmerInnen auf Lager.

Triathlon in Eupen

Wir halten fest: Triathlon muss kein Extremsport sein. Gut, ein Ironman- oder Ironwoman-Wettbewerb ist ein Ausdauer- rennen, das extrem ist: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und einen Marathon (42,195 Kilometer) hinten dranhängen – das sind Dimensionen, die einem Ottonormal- sportler als leicht, wenn nicht völlig wahnsinnig vorkommen müssen. In der Natur zu schwimmen, zu radeln, zu laufen, mit anderen gemeinsam den Wettbewerb zu erleben – das macht aber auch einfach nur großen Spaß. Zuschauen und mitfiebern in wunderbarer Landschaft und toller Atmosphäre natürlich auch. Und beides ist bestimmt ein Anlass, wiederzukommen in das Stückchen Paradies Ostbelgiens. ●

Weitere Infos zum 33. Triathlon Eupen 2017 finden Sie unter www.triathloneupen.be.

Autoren: Claudia Träger und Ralph Thoma

Fotos: privat