Stuckateure in der Eifel
Schau der Meisterstücke der Stuckateur-Meisterschüler im BGZ in Simmerath - Meisterschüler Josef Kroll

Nicht jedes Jahr können die Handwerkskammer bzw. die Stuckateur-Innung Aachen Stuckateuren zur Meisterprüfung gratulieren. Händeringend werden junge Menschen gesucht, die diesen höchst attraktiven Beruf erlernen möchten. Wir wollten wissen, warum der Mangel besteht, und was Stuckateure in der Eifel eigentlich so machen.

Stuckateure in der Eifel sind gefragt
Stuckateurmeister Addi Klinkhammer, Meisterschüler Christian Paustenbach, Prokurist Stefan Preuss

Ein Stuckateur wird nie arbeitslos

In einem der vielen Werkräume des Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrums der Handwerkskammer finden wir fünf junge Männer, die hochkonzentriert messen, in Gips rühren oder mit eigenartigen Metallschablonen Formen herstellen. Sie stellen Werkstücke her, die man aus Kirchen und Häusern mit diesen kunstvollen Decken kennt. Bis zum Mittag möchte ihr Schulungsleiter ein fertiges kunstvolles Objekt sehen. Dieser Schulungsleiter ist kein Geringerer als Stuckateurmeister Hans Georg Fabry, bekannt als internationaler Spezialist u.a. für Denkmalschutz und Restaurierung von Kirchen, Schlössern oder denkmalgeschützten Bauten, die vor dem Verfall gerettet werden müssen. Der 58-jährige Fabry hat sich nach seiner Ausbildung zehn Jahre in der Welt umgesehen und die raffiniertesten Techniken erlernt. Die Erfahrung von Venedig, der Restaurierungsschule Raesfeld oder fünf Jahren Planung und Restaurierung der Seitenaltäre von Balthasar Neumann in Schloss Brühl, um nur einige wenige seiner Arbeitsfelder zu nennen, geben Fabry die Kompetenz, um seinen Schülern die notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln.

Gesucht: Stuckateure in der Eifel
Georg Fabry, Heinz-Gerd Jansen, Nicole Link, Hubert Poth

„Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie ein Haus, eine Wohnung oder ein Zimmer durch die Gestaltung mit Stuck erst ein Gesicht, einen Charakter bekommt“, schwärmt Fabry und fährt fort: „Wenn die Schulen und Schüler wüssten, was ihnen durch die Lappen geht, wenn sie sich daran stören, mal im Gips oder Spezialzement zu matschen. Es ist ein Glücksgefühl, zu sehen, wie man seine Ideen selbst verwirklicht hat. Stuckateure haben ein Alleinstellungsmerkmal. Denkmäler müssen unterhalten werden, und deshalb wird ein Stuckateur nie arbeitslos“. Die Information über die Möglichkeiten als Stuckateur muss frühzeitig in der Schule ansetzen. Dass die derzeitige Schulsituation eher kontraproduktiv sein könne, sei nicht von der Hand zu weisen, meint Fabry.

Das Nationalteam der Stuckateure

Auf die Frage, ob denn heute so viel Nachfrage nach Stuck bestehe, denn schließlich gibt es Kunststoff-Imitate, die nur überstrichen werden, lacht Fabry. Er verweist auf die Kenntnisse seiner Meisterschüler von Proportionslehre über Stucktechnik, Säulentechnik bis hin zur Fähigkeit, Säulenimitate herzustellen, die der Laie nicht von Marmor unterscheiden kann. So wird zunehmend auch die Kreativität durch moderne Gestaltung gefördert. Jeder Meisterschüler soll das Wissen erlangen, um z.B. eine Tür oder ein Fenster machen zu können. Zur Prüfung muss der angehende Meister eigene Ideen entwickeln, planen, zeichnen und selbst konstruieren; und zwar innerhalb einer Woche.

René Pemark - Stuckateure in der Eifel
Stuckateure in der Eifel: René Pemark

Dies fördert neben der Kreativität auch die Vielfalt. Diese Prüfungsprozedur ist neu, da
früher das Werkstück, z.B. ein Deckenrand, für alle Prüflinge gleich vorgegeben und profiliert wurde. Jetzt hat er die komplette Gestaltung in eigener Hand und ist absolut ungebunden. Dass die Prüflinge überdurchschnittliche Fähigkeiten erlangen, wird u.a. auch dadurch dokumentiert, dass man in das Nationalteam der Stuckateure aufgenommen wird und dadurch nicht nur Reisen in ferne Länder macht, sondern sich mit anderen Stuckateuren austauschen kann. So wie der 20-jährige Meisterschüler Josef Knoll aus Königswinter. Jeder, der ein gewisses Empfinden für den Umgang mit dem Baumaterial Stuck-Gips bzw. Stuck-Zement hat, kann sich bei der Innung oder Handwerkskammer Informationen zur Ausbildung holen.

Text: Elmar Neumann
Fotos: Ralph Sondermann