Obstbaumwart Marcel Kronenberg aus Kall-Scheven
Obstbaumwart Marcel Kronenberg auf seiner Streuobstwiese

Herbstzeit ist Erntezeit. Kartoffeln, Kürbisse, Birnen, Pflaumen, Quitten und Weintrauben sind jetzt reif. Und natürlich Äpfel, die Könige unter den Obstsorten. Glücklich kann sich schätzen, wer sein Lieblingsobst selbst im eigenen Garten pflücken kann. Marcel Kronenberg aus Kall kann das. Reichlich. Auf seiner Obstbaumwiese in Scheven stehen gleich 35 Bäume, die abgeerntet werden wollen – Äpfel, Pflaumen, Mirabellen. Die Bäume sind bei ihm in den besten Händen, denn Marcel kennt sich aus. Er ist seit 2010 Obstbaumwart der SoNNe eG, dem Streuobstwiesen Netzwerk Nordeifel.

Die Streuobstwiese von Marcel Kronenberg
Die Streuobstwiese von Marcel Kronenberg

Marcels Kumpels wunderten sich schon ein bisschen, als der ambitionierte Motorsportler und heutige Vizevorsitzen- de des Rallye Clubs Nordeifel sich dem Naturschutz und der Landschaftspflege zuwandte. „Es ist ein sehr schöner und sinnvoller Ausgleich zum Berufsalltag“, begründet der Maschinenbau-Techniker seine ehrenamtliche Tätigkeit als Obstbaumwart und für die SoNNe eG. Außerdem bemängelt er die hochgezüchtete Sortenarmut in den Supermärkten. „Mancher Traditionsapfel ist besser verträglich als die heutige Massenware“, weiß Marcel Kronenberg. Die in den Äpfeln enthaltenen Polyphenole, die unter anderem dafür verantwortlich sind, dass ein Apfel nach dem Anschneiden braun wird, wurden in modernen Sorten herausgezüchtet. Diese sekundären Pflanzenstoffe schalten allerdings auch das Allergen aus, das immer mehr Menschen den Genuss von Äpfeln verleidet.

Die ehrenamtlichen „Obstbaumflüsterer“ der SoNNe eG haben Lehrgänge und Fortbildungen absolviert, die das LEADER-Projekt Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen ins Leben gerufen hatte. Marcels Motivation, Ansprechpartner in Sachen Obstbaumpflege zu werden, trifft genau den Zweck, den die Streuobstwieseninitiative verfolgt: durch Überalterung und mangelnde Pflege bedrohte Obstbaumwiesen am Leben zu erhalten. „Meine Urgroßeltern hatten die Obstbäume gepflanzt“, erzählt der 38-Jährige. „Mir fiel dann vor ein paar Jahren auf, dass sie zu lange vernachlässigt wurden.“ Marcel wollte den Verfall der Bäume, von denen manche 80 oder 90 Jahre alt sind, aufhalten – und wurde Obstbaumwart.

Obstbaumwart Marcel Kronenberg bedauert, dass die Massenware im Supermarkt so hochgezüchtet ist.
„In Supermärkten bleiben solche Exemplare liegen: Äpfel mit ‚Stellen““, sagt Obstbaumwart Marcel Kronenberg.

Obstbaumwarte waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Eifeler Dörfern weit verbreitet. Dann aber nahm die Bedeutung der Streuobstwiesen ab. Obstplantagen traten auf den Plan. Bei der Rückbesinnung auf alte Traditionen und Kulturlandschaften kamen sie samt Baumwarten ins Visier der LEADER-Förderung, einem Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden.

„Wir Obstbaumwarte beraten bei der Planung einer Obstwiese, Pflanzung geeigneter Obstgehölze, bei der Schädlingsbekämpfung und geben Tipps für die Verarbeitung des Obsts. Natürlich nehmen wir auch selbst Spaten, Astschere und Säge in die Hand und unterstützen ganz praktisch“, erläutert Marcel. „Zudem helfen wir bei der Sortenbestimmung. Allerdings ist auf meiner eigenen Wiese die ein oder andere Apfelsorte noch unbekannt geblieben. Mein Uropa veredelte selbst Apfelbäume. Es bleibt wohl sein Geheimnis, was da rausgekommen ist. Ich hatte zunächst sowieso die Unterteilung von meiner Oma in Back-, Kompott- und Einlagerungsäpfel übernommen.“ Irgendwie ist das ja auch die Hauptsache.

Dieser Apfel ist noch nicht ganz reif.
Obstbaumwart Marcel Kronenberg erklärt: „Der Apfel ist reif, wenn seine Kerne schön dunkel sind.“

Tipps, die Marcel Kronenberg Obstbaumbesitzern für die Zeit nach der Ernte mitgibt: herabgefallenes Obst einsammeln, um keine Schädlinge anzulocken, und einen Weißanstrich der jungen Obstbaumstämme. Er soll bei Sonneneinstrahlung im Winter zu große Temperaturunterschiede im Stamm vermeiden, da sonst Spannungen aufgebaut werden, die zum Aufplatzen der Rinde führen können. Und dann ist Schädlingen Tür und Tor geöffnet. Diese Maßnahme hat aber noch ein bisschen Zeit. Jetzt verschwindet Marcel erst einmal mit einem Korb voller rotwangiger Äpfel ins Haus. Morgen wird es wohl Apfelkuchen geben.

Text: Claudia Träger
Fotos: Ralph Sondermann