Auf dem Pferdeschutzhof Klepperstall ist am Nachmittag einiges los: einige Frauen, Jugendliche und Kinder wuseln auf dem Hof herum: Ponys putzen, Ställe reinigen, Wege kehren, Wasserstellen auffüllen, Heunetze füllen und vieles mehr. Zwischendrin noch drei Hunde und eine Katze auf Beobachtungsposten.

IMG_1870„Ja, so ist das jeden Tag bei uns“, freut sich Nina Aschoff. Frau Aschoff ist die Besitzerin des kleinen Hofes im Zülpicher Vorort Langendorf. Gleichzeitig ist sie auch 1. Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Klepperstall e.V., und Mara Kossmann steht ihr als 2. Vorsitzende zur Seite. „Vor ca. 3 ½ Jahren haben mein Mann und ich diesen Hof gekauft und wollten einen Pensionsstall daraus machen. Doch alles hat sich anders entwickelt, als ich meine ersten Tiere bekam: zwei Mini-Shetlandponys und das Pferd „Candy“, alle krank und aus schlechter Haltung. Die drei Tiere taten mir so leid, ich musste sie einfach übernehmen“, erzählt Nina Aschoff. Die Tierliebe muss sich irgendwie herumgesprochen haben, denn immer mehr kranke und notleidende Pferde und Ponys wurden Frau Aschoff angeboten. „Ich konnte ja unmöglich alle aufnehmen und suchte nach einer anderen Lösung.“ Frau Aschoff beschäftigte sich mehr mit diesem Thema und fand heraus, dass es kaum Möglichkeiten gibt, alte oder kranke Pferde irgendwo abzugeben. Tierheime nehmen zwar Hunde, Katzen und Kleintiere auf, aber keine Pferde, Ponys oder Esel. So entschloss sie sich mit einer Handvoll Gleichgesinnter einen Verein zu gründen, der sich um diese Tiere kümmert. Im Januar 2015 wurde der „Klepperstall e.V.“ gegründet.
IMG_1867Inzwischen hat der junge Verein ca. 40 Mitglieder, von Kindern bis Senioren. Jeder bringt sich mit Spenden und der Zeit ein, die er zur Verfügung stellen kann. Manche Jugendliche aus dem Dorf kommen täglich nach der Schule, um die Tiere zu versorgen und auf dem Hof zu helfen. Manche Kinder kommen nur einmal pro Woche und putzen die Ponys. Und der eine oder andere Helfer geht einfach mit den Tieren spazieren. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, und Arbeit ist immer da. Frau Aschoff berichtet: „Inzwischen versorgen wir 14 Großpferde und 12 Ponys. Damit sind unsere Kapazitäten erschöpft. Mehr Platz haben wir einfach nicht. Vier alte Pferde leben in Pflegestellen, so dass für diese Tiere nur die Tierarztkosten von uns bezahlt werden. Alle Ausgaben, Futter, Einstreu und medizinische Versorgung für unsere Tiere müssen durch den Verein erwirtschaftet werden. Wir erhalten keine öffentlichen Gelder, sondern finanzieren uns fast ausschließlich durch private Spenden, die ohne Abzug den Tieren zugutekommen. Sämtliche Helfer sowie die Vorstandsmitglieder arbeiten natürlich ehrenamtlich und erhalten keine finanziellen Zuwendungen.“

IMG_1869Kaum zu glauben, aber wahr: In ganz Deutschland gibt es nur eine Handvoll Pferdeschutzhöfe. Daher bekommt der Verein Anrufe und Hinweise nicht nur aus der Eifel, sondern auch aus dem benachbarten Ausland und deutschlandweit. Teilweise wendet sich auch das Veterinäramt an den Verein auf der Suche nach einem Platz für ein beschlagnahmtes Pferd oder Pony. „Ella“, eine total abgemagerte Quarterhorsestute kam z.B. 2015 aus Prüm nach Zülpich. Inzwischen hat sie sich gut erholt und etliche Kilos mehr auf den Rippen. Eine Halterin meldete sich aus Hannover, mit der Bitte, ihr krankes und altes Pferd bringen zu dürfen. Auch „Bijou“ lebte einige Zeit auf dem Schutzhof und konnte inzwischen in ein neues Zuhause vermittelt werden. Einige Pferde dürfen bleiben, für die meisten aufgenommenen Tiere sucht der Verein aber nach neuen Besitzern. Und so sind schon etliche unreitbare Senioren als Beistellpferde vermittelt worden. Auch für zahlreiche Shetlandponys haben sich neue Besitzer gefunden. Die Gründe für die Abgabe von Pony & Co. sind vielfältig: Krankheit, Scheidung, Tod, Arbeitslosigkeit, Umzug, Schwangerschaft, Geldmangel oder schlicht Überforderung. Gut, wenn die Besitzer selbst nach einer anderweitigen Unterbringung suchen und ihre Tiere nicht einfach irgendwo „vergessen“.

IMG_1891Leider kommt es aber auch immer wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Pferdehalter, die zuerst einmal froh über die Aufnahme ihres Tieres waren und auch einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet haben, überlegen es sich dann doch anders und ziehen vor Gericht. „Für uns bedeutet das immer viel Ärger und unnötige Anwalts- und Gerichtskosten. Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege ein Jurist, der sich im Tierschutz engagieren möchte und uns behilflich sein kann“, überlegt Frau Aschoff.

Hoffest am 21.08.2016
mit Trödelmarkt, Essen und Trinken, einer Ponyaufführung, Kinderschminken und mit einer Pferdewaage
Pferdeschutzhof Klepperstall e.V.
Nina Aschoff, Tel.: 0173/6955437
www.klepperstall.de, info@klepperstall.de

Fotos & Text: Glanzpunkt Eifel-Mitarbeiterin Regine Grümmer