Der Rallye Club Nordeifel hat sich verjüngt und auf den Kartsport spezialisiert

Ein nebliger, kalter Sonntagmorgen in einem Gewerbegebiet in Eupen. Betriebe, Büros und Geschäfte liegen verschlafen da. Die graue, gedämpfte Atmosphäre ist nicht gerade ein Muntermacher mitten im Winter. Aber keine Sorge, es soll gleich um einiges betriebsamer, lauter und spannender werden. Der Rallye Club Nordeifel (RCN) hat zum Ein-Stunden-Kartrennen geladen. 27 mehr oder weniger erfahrene Kartfahrer treten an, um sich im letzten Rennen der Saison zu messen. Und eine Fahrerin! „So viele sind schon länger nicht mehr mitgefahren“, freut sich Daniel Klein, Erster Vorsitzender des RCN. Seit rund zehn Jahren organisiert der Verein vier bis fünf Kartrennen im Jahr. „Das Niveau ist seitdem immer besser geworden, trotzdem kann jeder, die/der ein Lenkrad halten, Gas- und Bremspedal bedienen kann, teilnehmen. Wir wollen ja gerade die begeistern, die es nicht eh schon sind.“

Alles beginnt im Briefingraum mit der Unterweisung der Fahrer (in)

Zweitaktmotor mit 270 ccm Hubraum  

Kein Gramm zu wenig: Zu leichte Fahrer müssen zuladen

Die Profis sind leicht zu erkennen: eigener Helm, womöglich mit Sprechfunkeinrichtung, Rennanzug, gezielter Gang zur Waage. Für die Chancengleichheit gilt für die Fahrer ein
Mindestgewicht von 85 Kilogramm, was an Körpermasse fehlt, wird mit Gewichten ausgeglichen. Rippen-Protektoren, Nackenschutz und Handschuhe gehören außerdem zur perfekten Ausrüstung, die auch komplett geliehen werden kann. Ohrstöpsel sind empfehlenswert, denn die Zweitakt-Motoren mit 270 ccm Hubraum und 9,5 PS machen einen ganz schönen Radau. Das gehört zum Gesamtkonzept Kart natürlich dazu. Die Anfänger erhalten ein Extra-Briefing mit Regeln, die die anderen längst kennen und beherzigen: bei einem Unfall langsam fahren und ggf. anhalten, nicht auf der Strecke aussteigen, überholen lassen, kein Risiko eingehen und vor allem immer fair bleiben! Bei dem Rennen wird um Platzierungen gekämpft, aber der Spaß steht im Vordergrund.

Die Karts werden per Los zugeteilt, in einem 10-minütigen Qualifying fahren die Hobbyrennfahrer – und eine -fahrerin – die Startreihenfolge aus. Nach einer Runde hinter dem Safety Car geht das Rennen mit einem fliegenden Start los. 45 Minuten lang flitzen die Karts über die 1,1 Kilometer lange Strecke mit sehr, sehr vielen Kurven. „Der enge Kurs lässt die Geschwindigkeit höher erscheinen. Das und die unmittelbare Ansprache des Lenkrads, der enge Kontakt zum Asphalt, dieses direkte Gefühl, das macht Kartfahren so besonders“, erklärt Marcel Kronenberg, Zweiter Vorsitzender des RCN. Marcel ist in Sachen Kartsport kein unbeschriebenes Blatt. Schon mit zehn Jahren erwischte ihn die Leidenschaft für schnelle Autos und den Motorsport. Er nahm in der Kart-Juniorklasse sogar an Europa- und Weltmeisterschaften teil.

Nach dem Qualifying wird die Startfolge festgelegt
Blaue Fahne: Da will dich jemand überholen…

Spannende Kämpfe im Mittelfeld

Matthias aus Niederkassel ist hingegen blutiger Anfänger. Bei seinem Debut landete der 21-Jährige am Ende immerhin auf Platz 23. „Das war nicht das letzte Mal für mich im Kart“, sagt er begeistert. Kollege Dennis, der ihn zum Rennen mitgenommen hat, ist heute nicht so euphorisch. „Meine Leistung war unterirdisch“, sagt er selbstkritisch. Michael Klein, Daniel und Marcel sind wiederum sehr zufrieden und freuen sich auf den Plätzen 9, 12 und 13 über ein „schönes, anstrengendes, sehr faires Rennen“. Kämpfe im Mittelfeld seien ja ohnehin spannender, als vorne alleine seine Runden zu ziehen. Auch für sie stehen der Spaß, der Austausch und das Zusammentreffen von Gleichgesinnten eben im Vordergrund. Insgeheim rechnen sie natürlich trotzdem aus, wie sie bei der clubinternen Meisterschaft 2017 insgesamt abgeschnitten haben.

45 Minuten Tempo gehen zu Ende

Bergrennen und Slalomveranstaltungen gehören beim RCN, der im Jahre 2016 sein 50-jähriges Bestehen feierte, der Vergangenheit an. Die jungen Amtsträger haben den Schwerpunkt auf den Kartsport, Fahrsicherheit- und Drifttrainings gelegt. Zudem gibt es eine Oldtimer-Abteilung, die fürs Frühjahr 2018 eine Ausfahrt von Vogelsang aus plant, auch um daran zu erinnern, welch wichtige Rolle Victor Neels, zehn Jahre lang Leiter des Truppenübungsplatzes, für den RCN spielte. Das ist doch eine gute Gelegenheit, den Rallye Club Nordeifel einmal kennen zu lernen. Neue Mitglieder sind nämlich herzlich
willkommen!

Und wo ist eigentlich die einzige Fahrerin abgeblieben? Letzte? Ausgeschieden? Von wegen! Die 14-jährige Clementine wurde Zehnte. So! Mit Ausgleichsgewichten.

Foto-Galerie: 

Fotos: Ralph Sondermann
Text: Claudia Träger