Auf der Suche nach einem rüstigen Rentner wird man schnell in Mechernich-Glehn fündig! Hier wohnt Herr Herman-Josef Reinartz mit seiner Frau. Herr Reinartz schaut auf nunmehr 76 Lebensjahre zurück, aus denen er viel zu berichten hat. Seinen Lebensunterhalt hat er jahrelang als Organist in der Kirchengemeinde Bleibuir und als Musiklehrer bei der Musikschule Schleiden verdient. „Ich habe die meisten Jahre in Bleibuir gewohnt und bin von dort durch das ganze Mechernicher Gebiet zu meinen Schülern gefahren“, erzählt Herr Reinartz. „Oft war ich erst spät abends zu Hause. Sonntags und werktags habe ich mehrere Messen auf der Orgel begleitet und die Hälfte des Tages in der Kirche verbracht.“ Daneben hat er zusammen mit seiner Ehefrau Marianne zwei Töchter großgezogen. Das ausgefüllte Berufs- und Familienleben fand allerdings vor 15 Jahren ein jähes Ende: Hermann-Josef Reinartz hatte eine Gehirnblutung und lag eine Woche im Koma. Es war nicht klar, ob er wieder richtig ins Leben finden würde. „Ich musste mir alles neu erarbeiten. Lesen und Schreiben lernen, sprechen und laufen. Sieben Wochen war ich seinerzeit in Kur. Meine Töchter haben mir Schulhefte und Bücher für Grundschüler gebracht. Damit habe ich gelernt. Ich habe mich zurückgekämpft, nicht aufgegeben. Langsam aber sicher ging es immer besser, und heute bemerkt man von meiner schlimmen Erkrankung gar nichts mehr“, erzählt Herr Reinartz. Nach diesem Ereignis war aber auch klar, dass Herr Reinartz nicht mehr zurück ins Berufsleben kommen konnte, und so wurde er in den Ruhestand versetzt.
Heute lebt er mit seiner Frau in einem neuen Haus in Glehn. Die Töchter sind längst ausgezogen, leben mit ihren Familien bei Hamburg und im Westerwald.  Und von Ruhestand merkt man im Jahr 2016 nichts mehr! Der Musiklehrer für Orgel, Klavier, Akkordeon und Gitarre („Ich habe vier Jahre lang Flamenco-Gitarre studiert“) hat auch heute noch einige wenige Schüler, die er regelmäßig und gerne unterrichtet. Natürlich macht er auch zu Hause Musik und übt gerade eine Messe für das Patronatsfest in Reifferscheid ein. Dort ist er nämlich seit nunmehr vielen Jahren Organist und spielt in den unterschiedlichen Kirchen sonntags bei mehreren Gottesdiensten. „Ich gehe ja nicht arbeiten, ich spiele ja nur!“, wirft Herr Reinartz ein.

HerrReinartz_OrgelDem einen oder anderen Leser ist Herr Reinartz vielleicht von dem Adventsmarkt im Freilichtmuseum Kommern bekannt. Beim „Advent für alle Sinne“ sitzt er sowohl samstags als auch sonntags im Haus Kessenich und spielt auf seinem Akkordeon Weihnachtslieder. „Die Besucher singen begeistert mit. Ich mache das jetzt seit zehn oder zwölf Jahren, und immer sind viele Menschen hier, die sich auf die Weihnachtszeit einstimmen. Es kommen sowohl ältere Menschen als auch Familien mit Kindern. Aber wenn ich dann zwei Tage lang jeweils 8 Stunden auf dem Akkordeon gespielt habe, räume ich das Instrument erst mal weg. Dann kann ich es eine Weile nicht mehr sehen. Früher hat übrigens auch meine Frau Marianne mitgespielt, auf ihrer Flöte.“

HerrReinartz_HühnerDas geht inzwischen nicht mehr, da Frau Reinartz erkrankt ist und von ihrem Mann betreut und gepflegt wird. Und sollten Sie sich jetzt fragen, wie das alles in einen 24-Stunden-Tag passt, dann sei Ihnen versichert, dass Herr Reinartz auch den Haushalt macht, putzt, kocht und backt. Und in seiner freien Zeit, macht er tolle Fotos, z.B. von den sieben Enkelkindern, züchtet Hühner und bewirtschaftet einen kleinen Gemüsegarten. „Na ja, ich stehe immer um 5 Uhr auf – dann kann ich nicht mehr schlafen – und gehe abends gegen 22 Uhr ins Bett. Da schafft man schon recht viel,“ versichert ein zufriedener und ausgeglichener Herr Reinartz. Wir wünschen ihm weiterhin eine gute Gesundheit und Schaffensfreude – ihm, der nicht gearbeitet, sondern immer nur gespielt hat!

Fotos & Text: Glanzpunkt Eifel-Mitarbeiterin Regine Grümmer