Bräuche sind Volksgut und ein Stück Kultur. Auch die Eifel lebt mit und von seinem Brauchtum. Das Feiertagspaar Silvester/Neujahr gehört zu den „hohen Tagen“ des Jahres, und ist seit Menschengedenken ein markantes Datum. Es stellt eine Brauchtumseinheit dar, die mit Riten und Traditionen begangen wird.

Woher stammt eigentlich der Name „Silvester“? Einer – leider nicht tragfähigen – schönen Legende zu Folge ist der letzte Tag des Jahres auf den Todestag des ersten Papstes Silvester anno 1582 festgelegt. Seit dieser Zeit gilt er als Schutzheiliger aller Neuanfänge, und man feierte fortan diesen Tag in allen christlichen Regionen Europas. Von jeher wurde das alte Jahr mit Lärm und Licht beendet. Anfangs wurde zu Silvester zu Abwehr der bösen Geister mit Rasseln, Töpfen und anderen Gegenständen Lärm gemacht. Später kam das Läuten der Kirchenglocken zu Mitternacht und das Spielen von Pauken und Trompeten dazu. Hierdurch sollten die guten Mächte eingeladen werden, und die Menschen ins neue Jahr begleiten. Ab dem 17. Jahrhundert – scheinbar waren die bösen Geister alle vertrieben oder wurden an Halloween weggelärmt – wurde das neue Jahr mit Böllern und Schießen begrüßt, jetzt allerdings als Ausdruck von Lebensfreude. Von diesen Riten leitete sich auch das Silvesterfeuerwerk ab.
Aber auch der Aberglaube hielt Einzug, und Symbole wie das Schwein, der Schornsteinfeger und das vierblättrige Kleeblatt wurden Glücksbringer. Dem Schornsteinfeger wurde auch eine kleine Neujahrsgabe zuteil, oft Bargeld oder in Form von Naturalien. Das „Neujöhrchen“ für den Briefträger und die Müllabfuhr – wenn man sie zu Gesicht bekommt – ist auch heute noch in unserer Region Sitte und Brauch. Auch ist es weiter Tradition für einen erhofften Geldsegen eine Schuppe des Silvester-Karpfens im Portemonnaie aufzubewahren. Für das ausreichende Kleingeld soll der Genuss einer Suppe der platten, kreisrunden Linsen an Silvester sorgen

2017
Orakel sollen zum Jahreswechsel die Zukunft verraten, das wohl bekannteste ist das Bleigießen. Über eine Kerze wird ein Bleistück in einen Löffel gelegt und zum Schmelzen gebracht. Dann in kaltes Wasser getaucht, erstarrt es zu bizarrer Form. Gemeinschaftlich und mit viel Phantasie wird die Gestalt dann gedeutet. Lässt sich zum Beispiel ein Herz ableiten, bedeutet es, dass man sich verlieben wird, ein Stern verheißt Glück und Erfolg, ein Kranz kündigt eine Hochzeit an. Zu den weisen Botschaften gehört auch das Knacken von Glückskeksen, deren schriftlicher Inhalt über die Zukunft erfahren lässt

Alte Silvesterbräuche werden auch im kulinarischen Bereich zelebriert. Punsch und Feuerzangenbowle kamen als Silvestergetränk auf. Sekt zum Anstoßen auf das neue Jahr konnte sich früher nicht jeder leisten. Anneliese und Hermann Klinkhammer aus Paulushof – Zeitzeugen der 30er Jahre – erinnern sich: „In unserer Jugend war die Zeit einfach viel zu ärmlich zum Feiern. Einen selbstgebackenen Weck aus Hefeteig als Gebildbrot in Form eines Wickelkindes war das einzige Besondere an Silvester. Wir gingen zur Andacht in die Kirche und zu Neujahr ins Hochamt“  erzählen Elke und Arnold Meyer aus Krekel als weitere Zeitzeugen. Während der gemeine männliche Eifelbürger früher noch im Wirtshaus feierte, trafen sich die Frauen gemeinschaftlich zu Handarbeiten. „In der Kneipe wurden Neujahrskränze ausgekartet und einer seinem Patenkind am Neujahrstag überbracht“, berichtet Arnold von einem weiteren Eifeler Silvesterbrauch. „Geldstücke wurden in den Neujahrsweck eingebacken“, legt Elke nach.
Wie aus alten Quellen hervorgeht, war es zu dieser Zeit das Bestreben der Jugend, Schabernack zu treiben, zum Beispiel einen Strohbesen vor die Haustür zu stellen, der beim Öffnen der Haustür auf den Fußboden kippte, sowie weitere erfindungsreiche Scherze. In den 50er-Jahren gab es Tanzmusik in den verschiedenen Dorfsälen und der Jahreswechsel wurde in froher und geselliger Runde begangen. Heute vergnügt sich besonders die Jugend in Clubs und Bars. Viele Menschen feiern aber auch in den eigenen vier Wänden, ganz entspannt mit Freunden, Verwandten und einem guten Essen.

Neben den bei uns üblichen Bräuchen wie dem Zünden von Raketen, Böllern und Feuerwerk, verbunden mit Wünschen nach Glück und Gesundheit und gepflastert mit guten Vorsätzen, warten fremde Länder mit speziellen Traditionen und Riten auf. In Australien fällt der Jahreswechsel in die Sommersaison. Einheimische und Touristen warten den ganzen Tag bei Picknicks auf das feudale und öffentliche Feuerwerk als großes mitternächtliches Ereignis. Sind es in Argentinien die alten Unterlagen und Papiere, die vernichtet werden, ist es in China der Hausputz mit Bambuszweigen, der die bösen Geister vertreiben soll. Dort gibt es auch drei Tage lang farbenprächtige Drachen- und Löwenumzüge, aber Silvester ist erst im Februar. In Tschechien wird ein Apfel halbiert, um am Kerngehäuse das Schicksal zu deuten. Russland feiert zehn Tage lang rauschende Feste, beginnend nach der Präsidentenrede zu Silvester im Fernsehen. Bei uns ist „Dinner for One“ ein liebgewordenes Fernsehritual – ein spaßiger Kontrast. In Griechenland wird zum Neujahrstag gezockt,  in Bulgarien schlagen Kinder mit einem buntgeschmückten Ast eines Kirschbaumes den Menschen auf den Rücken, wünschen damit ein gutes neues Jahr, und erhalten im Gegenzug Süßigkeiten, Früchte oder Kleingeld. Die Spanier schieben sich um Mitternacht bei jedem der zwölf Glockenschläge eine Traube in den Mund. Das soll Glück bringen, aber wer sich verzählt, dem steht Unheil bevor. Ebenfalls in Spanien und auch in Italien und Chile tragen vor allem junge Frauen rote Unterwäsche an Silvester. Die Trägerin soll im neuen Jahr mit Glück, Gesundheit und vor allem mit Liebe belohnt werden.
Zwischen Hawaii und Australien befinden sich die Kiribati-Inseln. Dort verläuft die Datumsgrenze der Erde und das neue Jahr beginnt schon um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Der globale Kreis des Jahreswechsels schließt sich am 1. Januar um 13 Uhr. Dann dürfen auch die Bewohner der Wake Inseln, die zu den Vereinigten Staaten gehören, als Letzte das neue Jahr begrüßen. Alle Neujahrswünsche beziehen sich immer auf Gesundheit, Glück und Frieden, und so schließe ich ab mit dem Eifeler Segenswunsch:

„Ech wenschen e jelecklich neij Joahr, lang ze lewen, jelecklich ze sterwen un dn Himmel ze erwen“.