Eine Staubwolke und helles Wiehern kündigen die Hauptdarsteller dieses Berichts schon von Weitem an: Auf dem trockenen Gelände zwischen Ställen und Winterhalle des Arabergestüts Antaris toben das Shagya-Araberstutfohlen Dalida Gazal A mit den noch viel zu langen Beinen und Border Collie Guinness ungestüm herum. Das zeugt von Lebensfreude pur und ist einfach hinreißend anzusehen. Sabine Körber und Kurt Schumacher haben gerade zwei Stuten mit ihren Fohlen von der Wiese geholt. Ihr Gestüt Antaris in Schmidtheim bietet derzeit 12 Pferden ein Zuhause: acht Stuten, davon sieben Zuchtstuten, zwei Hengsten und zwei Fohlen. Sechs der Pferde gehören zur Rasse der Shagya-Araber, die anderen sechs sind Ägyptische Vollblutaraber.
Antaris-Arabergestüt_-Pferd-mit-HundDie erste Leidenschaft des Paares aus Hecken gehört dem leistungsstarken und robusten Shagya-Araber. Ursprünglich als Militär- und Paradepferd für die Österreichisch-Ungarische Monarchie gezüchtet, ist die nach einem seiner bedeutendsten Stammhengste benannte Rasse heute als vielseitiges, sehr menschenbezogenes Freizeitpferd bekannt. Dabei hat sie auch eine ganz spezielle Stärke: Strecke machen! Sabine Körber selbst hat mit ihren Pferden über 3.000 erfolgreiche Wettkampfkilometer im Distanzreiten zurückgelegt. Wie die Monarchie aber ihre Blütezeit längst hinter sich hat, sind auch die Shagya-Araber heute eher seltene Exemplare in der Pferdebevölkerung. Im Jahr 2013 wurden in ganz Deutschland nur 35 Fohlen geboren, die der Internationalen Shagya-Araber Gesellschaft ISG gemeldet wurden. So kamen schon Interessenten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in die Eifel, um sich Körbers Pferde anzusehen. International sind auch die Beziehungen zwischen den Pferden: Der Vater von Vollblutaraberhengst DF Nuri ist der weltbekannte, inzwischen verstorbene 1-Millionen-Dollar-Hengst Simeon Sadik, der im Besitz von Rolling-Stones-Schlagzeuger Charlie Watts war. Das zweite Zuchtinteresse gilt eben diesen Ägyptischen Vollblutarabern und ihrer Schönheit mit dem kleinen, edlen Kopf mit „Araberknick“, großen dunklen Augen und eleganten Bewegungen. Am liebsten sind Sabine Körber Rappen, gerade ist mit Maarsha Sadik A ein entsprechendes Stutfohlen hinzugekommen.

Antaris-Arabergestüt-_FohlenEs ist genauso niedlich und hat einen ebenso gar nicht nur süßen, sondern bedeutungsvollen Namen wie seine Fohlenkollegin Dalida: Der zweite Namensteil gibt die Linie an, der abschließende Buchstabe bezeichnet das Gestüt, aus dem das Pferd stammt (A für Antaris). Auch der Gestütname Antaris hat eine „Pferdegeschichte“:  Er sollte eigentlich der Name für ein Pferd von Sabine Körber sein. Aber da das dann doch anders genannt wurde, war Antaris als Name für ihr eigenes Gestüt frei. Ihr Weg dorthin ist wohl als sehr zielstrebig zu bezeichnen. Die Grundschullehrerin an der GGS Kall besaß ihr erstes Pferd im Alter von 17 Jahren, seit den frühen 1980er Jahren züchtet sie selbst. Die Pferdeleidenschaft war offenbar angeboren: „Mein erstes Wort war ‚Pony’“, erzählt sie. Ist es denn bei solch einem Leben für die Pferde nicht schwierig, sich von den zuckersüßen Fohlen, die nur mindestens sechs Monate bei ihrer Mutter bleiben müssen, zu trennen? „Da hätte ich nicht Züchterin werden dürfen“, antwortet Sabine Körber pragmatisch. Ihr Ehemann Kurt Schumacher, der beruflich als Maschinenbau-Techniker tätig ist, trägt die Pferdezucht vollkommen mit. „Was bleibt mir anderes übrig?“, sagt er augenzwinkernd. Dabei hält sich seine eigene Reitbegeisterung sehr in Grenzen. Nach zwei Runden um seinen Heimatort Hecken auf dem Rücken eines Pferdes beendete er seine Ambitionen, Reiter zu werden. Umso erstaunlicher, dass beide gemeinsam all ihre Freizeit und viel, viel Geld in die Zucht, früher auch in Ausbildung, Reitunterricht und Unterstellung von Pensionspferden steckten und stecken. Reich werden sie damit nicht. „Es ist ein schönes Hobby“, sagt Sabine Körber. Na, wenn das nicht mal eine massive Untertreibung ist!

Text: Glanzpunkt Eifel-Mitarbeiterin Claudia Träger
Fotos: Glanzpunkt Eifel-Mitarbeiter Ralph Sondermann